In der Zeit von 1870 bis 1920 blühte in Deutschland die Krug­produktion – ein riesiger Bedarf aus Handwerk, Militär, Studentenschaft und Geselligkeit trieb eine ganze Industrie an. Einige der schönsten Krug­gattungen werden hier vorgestellt.

1870–1920Blütezeit der Krug­produktion
> 100bekannte Hersteller
tausendeverschiedene Muster & Dekore

Mettlach­krüge

Die Firma Villeroy und Boch in Mettlach im Saargebiet war der welt­größte Hersteller feiner Steinzeug­krüge. Heute ist das Unternehmen auf Fliesen, Sanitär­keramik und Geschirr spezialisiert – doch seine historische Stärke lag im Krug.

Die Produktionsskala umfasste tausende verschiedene Krug­muster und Dekore sowie Geschirr und Bau­keramik. Zahlreiche Künstler waren für Entwürfe und Dekoration beschäftigt. Fast alle Stücke sind nummeriert und mit Jahres­zahlen oder einem Jahres­code versehen, was eine präzise Identifizierung erleichtert – unterstützt durch umfangreiche Fachliteratur.

Man unterscheidet zwischen geritzten, aufgelegten und unter der Glasur bemalten Krügen. Da der größte Teil der Waren einst exportiert wurde, findet man speziell in den USA bedeutende Mettlach-Sammlungen.

Handwerkerkrüge

Die Handwerker ließen sich gerne Bier­krüge mit ihren Berufs­darstellungen anfertigen – ein stolzes Zeichen der Zunft­zugehörigkeit. Meistens handelte es sich um Porzellan­krüge mit einem Zinn­deckel, die das jeweilige Handwerk in bunten Szenen oder als Emblem zeigten.

Studentenkrüge

Da bei den Studenten­verbindungen das Bier nicht fehlen durfte, wurden schon früh entsprechende Bier­krüge mit Widmungen ausgetauscht. Anfangs waren es hauptsächlich Glas­krüge mit einem Zinn­deckel oder einem Porzellan­einlagen­deckel. Später wurden dann gerne Keramik­krüge verwendet, oft reich verziert mit Couleur­farben, Wappen und persönlichen Inschriften.

Brauerei­krüge

Nahezu jede Brauerei ließ eigens für sie beschriftete oder dekorierte Bier­krüge herstellen – und das werden auch heute noch im Westerwald, in Höhr-Grenzhausen, produziert. Die Zinn­deckel waren eben­falls gerne mit dem Brauerei­logo versehen, sodass Krug und Marke eine untrennbare Einheit bildeten.

Figuren­krüge

Eine besondere Zierde sind die ausge­fallenen Figuren­krüge aus Porzellan oder Steinzeug. Viele Porzellan­figuren­krüge wurden von der Firma Schierholz in Plaue hergestellt und mit einem Rautenzeichen oder dem Wort MUSTERSCHUTZ gekennzeichnet.

Die Themenwelt ist schier unerschöpflich: Tiere, Menschen, Politiker, Gebäude, Soldaten – die Vielfalt der Motive ist in ihrer Fülle kaum zu fassen und macht Figuren­krüge zu begehrten Sammel­stücken.

Hobby- und Vereins­krüge

Die Mitglieder von Vereinen oder Anhänger besonderer Hobbys ließen sich gerne Bier­krüge mit den Emblemen oder Symbolen ihrer Favoriten fertigen. So findet man Krüge von Rad­fahrern, Keglern, Turnern, Sängern, Sport­lern, Tauben­züchtern und vielen anderen – lebendige Zeugnisse des vereins­reichen bürgerlichen Lebens jener Epoche.

Und es gab noch viele weitere Krug­arten … Die Vielfalt der deutschen Krug­kultur dieser Jahrzehnte ist bis heute nicht vollständig erfasst und hält für jeden Sammler immer wieder neue Entdeckungen bereit.